Im Auftrag des Landes Baden-Württemberg fertigt die Maryan Beachwear Group am Standort Murg aktuell FFP2-Masken.

Die Corona-Krise hat nicht nur den Handel getroffen – die Auswirkungen für die Hersteller sind ebenfalls enorm. Unterbrochene Lieferketten, stornierte Auslieferungen – die Liste der Herausforderungen ist lang. Wir haben mit Dominik Bossert, Geschäftsführer Maryan Beachwear Group, gesprochen.

Wie haben Sie die ersten Wochen nach den Shutdown erlebt?
Es war sehr ungewohnt. Die Firma war zwar leer und gleichzeitig doch sehr betriebsam. Einige Teile des Unternehmens waren ziemlich heruntergefahren, Versand, Vertrieb auf ein Minimum besetzt, zumal in unseren Kernmärkten Italien, Frankreich, Spanien, UK und Deutschland das öffentliche Leben nicht mehr existent war. Gleichzeitig haben wir uns intensiv mit der Zeit danach auseinandergesetzt und sind zu guter Letzt das Thema Schutzausrüstung angegangen. So konnten wir einen guten Anteil der Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen.

Wie schnell haben Sie mit der Produktion von Mund- und Nasenmasken begonnen? Welche Umstellungen waren nötig?
Das ging tatsächlich sehr schnell. Sobald klar war, dass wir in das Projekt einsteigen, haben wir die beteiligten Bereichsleiter reingeholt, uns zusammengesetzt und in einem Nachmittag die Planung und Umsetzung besprochen. An einem Samstag mit den ersten Materialien Muster genäht und am Montag darauf die ersten Näherinnen aus der Kurzarbeit geholt, Maschinen neu angeordnet und den notwendigen Sicherheitsabstand eingerichtet. Zudem kehrten Mitarbeiter aus anderen Bereichen an ihre ehemaligen Ausbildungsplätze in der Näherei zurück.
Es ging schnell und das Team hat hervorragend mitgezogen. Eine Entwicklungsnäherei in eine Akkordnäherei umzustellen, passiert nicht nebenbei. Umso mehr ist es beeindruckend, wie wir das alle zusammen umsetzen konnten.
Mittlerweile nähen wir die Masken in drei Schichten, täglich von sechs bis 21 Uhr.

Wie sieht es an Ihrem Standort in Murg aus? Haben Sie für Ihre Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet?
Ja, das haben wir zu Anfang gemacht. Die Näherei ist jedoch nun voll besetzt und von sechs bis 21 Uhr produzieren wir in drei Schichten FFP2-Masken.
Inzwischen fahren wir darüber hinaus zusätzliche Bereiche hoch, beispielsweise geht der Versand in Deutschland anhand mit dem Handel abgestimmter Auslieferungen weiter.
Außerdem geht die Entwicklung der Badekollektionen für 2021 parallel weiter – denn es gibt eine Zeit nach Corona. Wir möchten im Sommer neue Kollektionen zeigen. Wir haben viel vor und gehen jetzt in Vorleistung.

Wie verfahren Sie mit ausgelieferter F/S-Ware bzw. F/S-Ware, die nach Öffnung noch ausgeliefert werden müsste?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir suchen das persönliche Gespräch mit unseren Kunden. Jede Situation ist anders, somit auch die individuellen Bedürfnisse unserer Partner im Handel. Wir finden solidarische Lösungen und haben bisher den Eindruck, dass der Handel sehr konzentriert und lösungsorientiert mit der Situation umgeht. Es wurde nicht grundsätzlich nach Stornierung gefragt. Wir hängen hier alle gemeinsam und unverschuldet drin, somit gilt es gemeinsame konstruktive Lösungen zu finden.

Gleichzeitig haben wir unsererseits entschieden, dass wir einzelne, noch nicht ausgelieferte Serien, zurückstellen. Mit einem späteren Liefertermin nehmen wir so Druck aus der Pipeline. Unsere Preview-Kollektionen, die für Mai terminiert waren, haben wir ebenso nach hinten beziehungsweise sogar ins nächste Jahr verschoben. Das bisherige Feedback auf diese Entscheidung ist durchweg positiv. Es hilft jetzt keinem, wenn die Industrie den Warendruck krampfhaft aufrechterhält.

Wird uns, wenn die Geschäfte in einiger Zeit wieder öffnen, eine Rabattschlacht bevorstehen? Oder kommt es zu einer Saisonverschiebung, um möglichst lange vernünftige Preise zu erzielen? Ist die Branche da einig genug?
Obwohl ich mir wünsche, dass es nicht passiert, fürchte ich persönlich, dass Händler den Rotstift ansetzen, weil sie schnell einen Cashflow generieren müssen. Dass der Schaden bezüglich des Rohertrags jedoch größer sein wird als der kurzfristige Erfolg, wird sich spätestens Ende des Jahres zeigen.
Auch wenn die Situation schwierig ist, wäre es für alle Beteiligten vorteilhaft, so lange wie möglich die UVP hochzuhalten. Eine Saisonverschiebung ist somit klar wünschenswert. Ich würde mich freuen, im Interesse jeden Händlers und selbstverständlich folglich für uns als Unternehmen. Bei Bademode ist es aktueller Stand, dass wir uns im April befinden und die wirklich umsatzstarken Monate noch vor uns liegen. Durchhalten ist also angesagt. Ich hoffe sehr, dass es gelingt.

Wann sollten, wenn überhaupt möglich, Messen für die Saison F/S 2021 stattfinden?
Deutlich später als in der Vergangenheit, wahrscheinlich nicht vor Mitte August. Der Handel braucht Zeit, sich zu orientieren, um eine fundierte Einkaufsentscheidung zu treffen. Das ist wiederum abhängig von den Lockerungen für das tägliche Leben.
Darüber hinaus können wir unsere Kollektionen nicht auf derselben Timeline entwickeln, wie wir das gewohnt sind. Wir haben viel Zeit verloren. Unsere Stoffe und Zutaten kommen fast ausnahmslos aus Italien und Spanien. Dort herrschte in letzten Wochen nahezu Stillstand. Jetzt wird das Business langsam wieder hochgefahren.

Ist es der richtige Zeitpunkt, um ganz generell über eine Verschiebung der Saisons nachzudenken, um die Kollektionen wieder bedarfsgerechter in die Geschäfte zu bringen?
Ich halte es für sinnvoll darüber nachzudenken. Aber nicht nur seit und wegen der Krise. In der Fashion-Branche befindet man sich ziemlich außerhalb der Zeit. Das wird seit Jahren diskutiert. Die Kunden wurden leider dahin erzogen, dass Ware früh gesehen werden kann. Wie wir davon wegkommen, ist eine gute Frage. Diese Krise könnte ein Lösungsansatz sein.

Grundsätzlich sind wir aus meiner Sicht mit Bademode nicht so weit weg vom Bedarf. Der Großteil unsere Auslieferung liegt in den Monaten März und April. In den meisten Ländern geht es zu diesem Zeitpunkt schon langsam los und die Konsumenten freuen sich auf Sommerware in den Geschäften.

Gibt es auch positive Aspekte, die Sie der Krise abgewinnen können?
Um ehrlich zu sein, fällt mir dazu wenig Positives ein. Es ist für alle Seiten, ob Handel oder Industrie, eine extrem belastende Situation. Arbeitsplätze fallen weg und nicht jedes Unternehmen in Handel sowie Industrie wird diese Krise überleben.
Wir produzieren und verkaufen lieber Beachwear als Masken. Unser Kerngeschäft wollen wir so schnell wie möglich wieder in vollem Umfang ausüben. Daher ist es wichtig, jetzt am Ball zu bleiben, nach vorne zu denken und das anzupacken, was notwendig ist, um das Beste aus dieser schlechten Situation zu machen.

Haben Sie einen Tipp, wie die Geschäfte diese Zeit der Schließung nutzen sollten?
Die Zeit der Schließung ist ja nun für einen Großteil unserer Handelspartner glücklicherweise beendet. Ich freue mich darüber, dass wieder etwas Normalität in den Innenstätten einkehrt.
Vielleicht macht die Zeit des Lockdowns vielen Endverbrauchern bewusst, wie verwaist die Innenstadtlagen ohne den stationären Handel wären. Manchmal merkt man ja erst, was einem fehlt, wenn es nicht mehr da ist. Es wäre schön, wenn die Konsumenten dem wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen.